Das Dogon-Dorf Amani schiebt sich die Steilhänge von Bandiagara hinauf.
aktualisiert:  9. Januar 2012
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Republik Mali: Vorbild für Afrika

Die Republik Mali ist flächenmäßig das größte der vier westafrikanischen Sahelländer und umfasst das Kerngebiet des ehemaligen französischen Kolonialbesitzes (früher "Soudan francais"). Die Einwohnerzahl Malis liegt im Jahr 2011 bei hochgerechneten 13,6 Millionen (World Fact Book) - fast 50 % davon sind jünger als 15 Jahre.

Unter dem noch bis 2012 amtierenden Präsidenten Amadou Toumani Touré, genannt ATT, entwickelte sich die semipräsidiale Republik zu einem afrikanischen Vorzeigestaat. Das Land hat es "trotz miserabler Ausgangsbedingungen geschafft, von einer maroden sozialistischen Planwirtschaft wegzukommen und die Demokratie zu konsolidieren" (NZZ vom 07.05.2004). Der ehemalige General Touré stürzte 1991 den langjährigen Autokraten Moussa Traoré und ließ nach einjähriger Übergangszeit - ein einzigartiger Vorgang in Afrika - demokratische Wahlen stattfinden, aus denen der Historiker Alpha Oumar Konaré als Sieger hervorging. Nach dem Ende von Konarés zweiter Amtszeit stellte sich "ATT" 2002 selbst zur Wahl, die er mit deutlicher Mehrheit gewann. Auch wenn sich die Lebensbedingungen der Malier nur langsam verbessert haben, gilt Tourés außen- und innenpolitisches Wirken als Beispiel für gute Regierungsführung in Afrika.

Die heutige Republik Mali blickt auf die ruhmreiche Geschichte des mittelalterlichen Mali-Reiches zurück, das im 11. Jahrundert gegründet wurde. Der erste Kaiser, Sundjata Keita, herrschte von 1230 bis 1255. Im 14. Jahrhundert unter Kaiser Kankan Musa, der das Reich von der Sahara bis zum tropischen Regenwald Guineas und zur Atlantikküste ausdehnte, erreichte Mali seine kulturelle Blütezeit und wurde zum bekanntesten mttelalterlichen Staatswesen südlich der Sahara. Besondes die Stadt Timbuktu entwickelte sich - als Ausgangs- und Zielpunkt der Transsahara-Karawanen - zum intellektuellen, religiösen und ökonomischen Zentrum Westafrikas.

In jüngster Zeit haben sich die Vermutungen bestätigt, dass die Wüstengebiete in Nordmali als Operationsbasis für islamistische Terrorgrupen wie Al-Quaida im Maghreb dienen. Im Oktober 2011 berichtete der malische Rundfunk, dass sich etwa 400 schwerbewaffnete Tuareg aus Libyen - ehemalige Gaddafi-Getreue - auf malisches Staatsgebiet zurückgezogen hätten. Das Deutsche Auswärtige Amt verweist auf mehrere Entführungen westlicher Staatsangehöriger in den letzten Jahren (zuletzt im November 2011) und rät davon ab, die touristischen Zentren Malis sowie ungesicherte Grenz- und Wüstenregionen aufzusuchen. Die Entführung zweier Franzosen im November 2012 markiert eine neue Qualität der Bedrohung, da ein Überfall erstmals weit südlich des Nigerbogens in der Region Mopti stattfand.

Das Volk der Dogon

An den Steilhängen der Felsenklippen von Bandiagara, auf dem Bandiagara-Plateau und in der Gondo-Ebene im Grenzgebiet zwischen Mali und Burkina Faso siedelt das Volk der Dogon. Verbunden durch einen gemeinsamen Gründungsmythos, hat die Dogon-Gemeinschaft ihre uralten religiösen, künstlerischen und sozialen Traditionen bis heute bewahrt: eine hochkomplexe Weltenstehungslehre, die vom Schöpfergott Amma und dem Urzwillingspaar Nommo erzählt, einen lebendigen Ahnen- und Fruchtbarkeitskult, sakrale Lehmarchitektur, feinsinnige Skulpturenkunst und heilige Maskenrituale.

Die Herkunft der Dogon ist ungeklärt; als sicher gilt jedoch, dass das heutige "Pays Dogon" nicht ihr Stammland war und erst im 13. oder 14. Jahrhundert besiedelt wurde. Ethnographen glauben, dass die Dogon einst Leibeigene eines früheren Mali-Herrschers in der Manding-Region im heutigen Guinea-Conakry gewesen sein könnten und dass sie vor 600 Jahren - um der Knechtschaft und islamischer Unterwerfung zu entkommen - in die schutzbietenden Bandiagara-Felsen geflohen seien. Dennoch haben heute die meisten Dogon den islamischen Glauben angenommen - der ihr uraltes animistisches Weltverständnis allerdings kaum verdrängen konnte.  

So archaisch die Gemeinschaftsformen und Sozialstrukturen der Dogon heute immer noch anmuten mögen - ihr Verhältnis zur restlichen Welt und zu Fremden ist äußerst offen, sie fördern die Schulbildung allerorten, auch die der Mädchen, und verstehen es durchaus, auch die neusten technischen "Errungenschaften" der westlichen Welt zu ihrem Vorteil zu nutzen - ohne ihr kulturelles Erbe zu verraten.

Dennoch lassen sich erste Anzeichen dafür finden, dass sich die autochthone Lebensform der ca. 190.000 Dogon in den nächsten Jahrzehnten durch Landflucht und Zivilisationsdruck stark verändern wird. Längst sind auch die indigenen Dogon-Gemeinschaften von der Dynamik der Globalisierung erfasst - und werden in nicht allzu ferner Zukunft mit immer stärkeren Einflüssen aus der westlichen Welt leben müssen.

Vor diesem Hintergrund ist das übergeordnete Ziel von Dogon-Schulen e. V. die Förderung von Schulbildung im Dogonland – einer Bildung, die es besonders der jüngeren Dogon-Generation erlauben soll, die eigene Tradition zu wahren und sich zugleich in Zeiten veränderter Lebens- und Arbeitsanforderungen zu orientieren.

 

Die rote Schraffierung: das Siedlungsgebiet der Dogon.
Tanz der Schülerinnen von Berelou.